Der Adlerfarn (Pteridium aquilinum) ist eine der am weitesten verbreiteten Farnpflanzen weltweit. In Deutschland tritt er in nahezu allen Bundesländern auf und gilt in bestimmten Waldgebieten als dominante Art. Seine Fähigkeit, sich vegetativ über ein weitverzweigtes Rhizom auszubreiten, macht ihn zu einem der ausdauerndsten Pflanzen der Waldbodenflora.

Morphologie und Erkennungsmerkmale

Der Adlerfarn bildet aufrechte, einzeln stehende Wedel, die bis zu 150 Zentimeter Höhe erreichen können. Die Wedel sind zwei- bis dreifach gefiedert und in der Draufsicht dreieckig. Junge Wedel sind eingerollt (Fiedel) und treiben im Mai aus dem Boden aus. Die Wedel sterben im Herbst ab und hinterlassen aufrecht stehende, braune Stängel.

Ein sicheres Bestimmungsmerkmal: Im Querschnitt des Stieles zeigen die Leitbündel das Muster eines Adlers – daher der deutsche Name. Sporenträger (Sori) befinden sich am Rand der Blattunterseite und sind von einer Häutchen (Indusium) bedeckt.

Rhizomsystem und vegetative Ausbreitung

Das unterirdische Rhizomsystem des Adlerfarns liegt in 10 bis 30 Zentimetern Tiefe. Es wächst horizontal und kann mehrere Meter pro Jahr wachsen. Auf gestörten Böden – nach Kahlschlägen, Bränden oder starkem Wildverbiss – breitet sich der Adlerfarn rasch auf Freiflächen aus. Das Rhizom enthält Kohlenhydratreserven, die es dem Farn ermöglichen, nach Frost oder Mahd zuverlässig wieder auszutreiben.

Das Rhizom des Adlerfarns kann im Boden Jahrzehnte überdauern. Mechanische Bekämpfung durch einmaliges Schlegeln oder Mähen bringt nur temporäre Effekte.

Verbreitung in Deutschland

Der Adlerfarn kommt in Deutschland in allen Naturräumen vor, mit Schwerpunkten in bodensauren Wäldern der Mittelgebirge und in norddeutschen Tieflandwäldern. Besonders dichte Bestände finden sich im Harz, im Schwarzwald, in der Lüneburger Heide und in Bayern nach Holzernte oder Windwurf. Im Bayerischen Wald und in den Hochlagen des Erzgebirges ist er hingegen seltener, da er tiefe Fröste schlecht verträgt.

Ökologische Rolle

Adlerfarnbestände schaffen ein dichtes Kronendach, das anderen Bodenvegetationspflanzen das Licht entzieht. In dichten Beständen können sich kaum andere Pflanzen und keine Baumjungpflanzen etablieren. Gleichzeitig bieten die Wedel und die Streuschicht Lebensraum für Kleinsäuger und bodenbrütende Vogelarten. Die ökologische Bewertung dicker Farndecken ist daher standortabhängig und umstritten.

Toxizität

Alle Pflanzenteile des Adlerfarns enthalten Ptaquilosid, eine toxische Verbindung, die in Studien als karzinogen eingestuft wurde. Für Weidetiere – besonders Rinder und Pferde – besteht bei dauerhafter Aufnahme größerer Mengen ein Gesundheitsrisiko. In der menschlichen Ernährung werden junge Fiedel in manchen asiatischen Ländern gegessen, was jedoch aus toxikologischer Sicht als problematisch gilt.

Weiterführende Quellen